Rietberg (dg). Er besteht seit über 50 Jahren. Sein Domizil, ein stilechtes Fachwerkhaus in der Klosterstraße als Eigentum. Fachgerecht nachhaltig in Eigenleistung während der achtziger Jahren restauriert. Mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, mit Möbeln und Accessoires aus dem letzten Jahrhundert. Neben der ostdeutschen Heimatstube, ein gemütliches Wohnzimmer von 1930, ein Schlafzimmer im Schrank mit Aussteuerwäsche, das beliebte Kaminzimmer, die große Deele als Veranstaltungsraum, diverse Nebenräume. Im Stockwerk darüber Archivzimmer sowie Ausstellungsflächen und eine seltene Präsentation von weit über hundert heimischer Tier-
arten. Exzellent präpariert, in ihrem natürlichen Lebensraum dekoriert. Zu guter Letzt lagert auf dem geräumigen Dachboden eine große Zahl Handwerkzeuge und Utensilien aus Haus- und Landwirtschaft. Zeitzeugen des Alltags verschiedener Generationen. Sammelstücke die den Heimatverein erreichen, damals und auch heute noch. Jüngstes Prachtstück, ein repräsentativer, pechschwarzer Ofen aus dem Jahre 1900. Gebaut wurde dieser unter dem Markennamen „Schmuck-Ofen“ vom Warsteiner Hüttenwerk. Als Bausatz in gegossenen Einzelteilen musste er vor Ort vollendet werden, und blieb zentnerschwer an seinem Platz. Bis er von der Speckenstraße in Mastholte in die Hände von Wolfgang Stroop kam, der ihn restaurierte und lange nutzte. Nun steht der nostalgische Wärmespender als Schauobjekt im Wohnzimmer an der Klosterstraße. Ein weiteres Exemplar befindet sich im Freilichtmuseum Detmold. In den vergangenen vier Jahren ist der Heimatverein beachtlich gewachsen und zählt bald 700 Mitglieder und daraus gestalten aktive Themen-
Gruppen ein reges Vereinsleben. Pflege der plattdeutschen Sprache, Handarbeiten wie Stricken, Häkeln, Weben, Gedächtnis-Training, Doppelkopf, Kochen nach Großmutters Rezepten, Archiv-Digitalisierung bündeln individuelles Interesse. Für etwas Handwerkliches gibt es auch Begabungen. Erst kürzlich wurde Platz in der Hofscheune geschaffen. Ein Massivholz-Raumteiler als Schiebesystem trennt jetzt Lager und Veranstaltungsraum. Mit vereinten Kräften bauten Klaus Honerlage, Wolfgang Stroop, Georg Horstkemperund Josef Junkerkalefeld dieses praktische kleine Meisterwerk. Der Heimatort und seine Geschichten sind Herzenssache von Ute Merschbrock. Die bekannte Rietberger Stadtführerin lebt seit ihrer Geburt im Stadtgebiet der Emsmetropole und ist schon mehrere Jahre im Heimatverein aktiv. Intensiv arbeitet sie im Team an der strukturierten Archivierung von Bildern, Fotos, Geschichten und mehr. Dabei kam ihr, bei der wachsenden Fülle wertvoller Relikte die Idee, diese zu thematisieren und in Broschüren-Form interessierten Bürgern anzubieten, zum Stöbern, Erinnern, Nachlesen. So sind bisher zwei Ausgaben produziert und erfreuen sich reger Nachfrage. Im Heimathaus sind sie von April bis November zu den Öffnungszeiten, Dienstag, Freitag und Sonntag ab 14 Uhr, zum Preis von 5 Euro pro Ausgabe erhältlich.
Fotos RSA /Rehling





