Ein „verrücktes“ Fest der St. Hubertus Schützengilde

Erstmals feierten Rietbergs Grünröcke von Freitag bis Sonntag, mit neuem Zeitgefühl

Rietberg (dg). Viele glaubten Samstag sei Sonntag und Freitag der Samstag. So traditionell tickte die innere Uhr beim beliebten Schützenfest in der Emsstadt. Samstag, Sonntag, Montag – so der bisher gelebte Festablauf über Generationen. Überzeugende Argumente, wertvoller Urlaub für den Montag bei vielen Aktiven und das Abstimmungs-Ergebnis bei einer Mitgliederversammlung hatten zum neuen Festablauf geführt.

Freitagabend, Auftakt im historischen Stadtkern. Mit Antreten der großen Schützengesellschaft in der Müntestraße begann der bunte Programmreigen. Ausmarsch zum Schützenplatz, Großer Zapfenstreich und eine Überraschungsehrung für Hubert Handing (s. Bericht Seite 36). Danach ließ es die Oktoberfest-Band „BAYERNMÄN“ zünftig krachen. Bei prächtigem Schützenfest-Sommerwetter setzte sich Samstagmittag der Festumzug in Bewegung. Mit einem Ständchen am Pflegeheim in der Klosterstraße erfreuen die Teilnehmer jährlich dort Bewohner und Pflegeteam. Einen weiteren Höhepunkt in ihrem Regentenjahr genießen Königspaar Manuel & Pia Mertens mit ihrer Throngesellschaft bei Auffahrt und großer Parade im Anschluss.

Ein nächster unterhaltsamer Programmknüller ist der Kampf um den Jungschützen-Königstitel. Nach spannendem Kampf mit etlichen Bewerbern siegte Finn Pickenäcker. Jubel und Applaus begleiteten den 22-jährigen Jungkönig, der beruflich als Dachdecker aktiv ist. Florian Liebig sicherte sich die Krone, Gianluca Antonacci den Apfel und Dominic Hermes holte sich das Zepter vom Holzvogel. Neu war auch, parallel zum Vogelschießen, eine erfolgreiche Kinder-Disco mit voller Tanzfläche im Thronzelt. Abends Party mit der Band „SOUNDTRAFFIC“ plus DJ JADOX.

Waren die ersten beiden Festtage noch unterschiedlich besucht, glänzte der Sonntag mit prallvollem Schützenplatz. Vogelschießen, mit der weitverbreiteten Frage wer wird König, lockte Besucherscharen auf schattige Plätze unter die üppigen Baumreihen. Heiß wurde es auch beim Vogelschießen. Nach gemeinsamem Schützenfrühstück mit Ehrengästen zogen die Grünröcke um 12.00 Uhr zur Vogeljagd an den Schießstand. Schon mit den ersten Schüssen legte sich die traditionsreiche Kampf-Atmosphäre, begleitet von fröhlichem Platzkonzert, über Volk und Festwiese. Insignien flogen schnell, Flügel bald danach und lösten begehrte, erfrischende Bierrunden aus. Als gegen 13.40 Uhr der lädierte Vogelrumpf noch an der Schraube hing, stand Rolf Edenfeld im Mittelpunkt des nahenden Finales. Spätere Thronherren leisteten Schützenhilfe. Brenzlig wurde es noch für Fahnenoffizier und ehemaligem Gilde- und Stadtkönig Maik Aufderheide, als er nach seinem Treffer merkte, wie wackelig der Vogel war. Mit „jetzt hör ich auf“, zog es ihn auf hintere sichere Plätze.

Pausenlos ging es vorne weiter. Das Publikum fieberte bei jedem Schuss mit. Königsanwärter Rolf ließ Schießmeister Etienne Nijrolder unaufhörlich nachladen. Mit der 403. Patrone erfüllte sich um 13.58 Uhr unter großem Jubel sein Traum. Rolf Edenfeld (59) ist Rietbergs neuer Schützenkönig. Als Königin wurde bald seine strahlende Ehefrau Silvia II. gekrönt. Große Parade am Nachmittag sowie ein rauschender Festball mit Gastvereinen am Abend beendete das Gildefest mit veränderter Platzgestaltung, die neu gedacht werden sollte.

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