Rietberg (dg). Wenn man sagt, „Karl hat keinen Bock mehr“, trifft das nur auf den freien Platz der Königskutsche zu, nicht auf seine Lust und Begeisterung für Pferde und Kutschfahrten in den letzten Jahrzehnten. „Ganz oder gar nicht“, sagt der 78-jährige Pferdefreund und Liebhaber naturverbundenen Fahrens. „Irgendwann muss Schluss sein, aber ich denke mit bleibenden Erinnerungen an die schöne Zeit zurück“, sagt Kutscher Karl mit einem zufriedenen Lächeln im Gespräch mit dem Rietberger Stadtanzeiger (RSA). Seine Zuverlässigkeit, sein freundliches Wesen, sowie die spürbare Liebe zu den Tieren haben ihn bekannt und beliebt gemacht. Der Königskutscher der Region fuhr Majestäten bei Schützenfesten in Rietberg, Mastholte, Bokel, Varensell, Verl, Bad Waldliesborn zu Paraden und Umzügen. Die edel geschmückte Kutsche mit den strahlenden Schimmeln war bei Hofe gewünscht, sogar im fernen Lage, Kreis Lippe. Auf Transportern kamen Pferde und Kutsche zur dortigen Veranstaltung, während im heimischen Umland der Weg von Rietberg zum jeweiligen Königshaus zum Gespanneinsatz zählte. Von Rietberg aus hieß, von Stroop‘s an der Delbrücker Straße. Auf ihrem Anwesen gehörten Pferdezucht und -handel zum landwirtschaftlichen Alltag. Dort standen Schimmel und die vereinseigene Königskutsche der Rietberger Gildeschützen. Bei seinem Schwager Wenzel Stroop vertiefte Karl Ridder seine Liebe zu Pferden. Mit ihm saß er zunächst gemeinsam auf dem Kutschbock, half bei Pferdepflege, Vorbereitung und Organisation. Karl, der Maschinenschlosser gelernt hat, 26 Jahre im Möbeltransport gefahren ist, bei „Growi“ in Varensell danach im Pferdesportbereich aktiv war, hat den Umgang mit Pferden verinnerlicht. Er ist schon ein wenig stolz auf sein treues Schimmel-Gespann, mit dem er seit 15 Jahren fährt. Es ist und war immer sein Hobby. Zeitintensiv, denn jede Ausfahrt beginnt gegen fünf Uhr. Pferde waschen, füttern, anspannen, Fahrt zum Gärtner, Kutsche schmücken. Treffen mit den anderen Kutschen aus der Region, bei dem Karl Ridder die kompetente, hilfsbereite Atmosphäre schätzt. Von markanten Vorfällen oder gar Pannen kann er in all den Jahren nicht berichten. „Doch einmal wurde es bei der neuen Königin zeitlich sehr knapp“, erzählt Kutscher Karl „ihr Kleid sollte nach Bokel/Rietberg angeliefert werden. Aber der Fahrer war nach Bokel bei Halle unterwegs“. Es waren immer schöne Touren und sehr nette Menschen die ich kennengelernt habe. Wertvolle Momente und Erinnerungen die bleiben. Zukünftig wird es etwas ruhiger im Kutscherleben von Karl Ridder. Bei privaten Kutschfahrten in der Heide und der ein oder anderen Planwagenfahrt nach Wunsch wird er noch auf dem Bock zu sehen sein und sich an seinem geliebten Hobby erfreuen.
Beliebter Königsfahrer verlässt nun den Kutscherbock
Karl Ridder lässt nach 40 Jahren treuer Dienste für Schützenkönige der Region die Zügel los
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Bei Hofe sehr beliebt. Rietbergs majestätisches Königskutschengespann.
Kutscher Karl ein echtes Markenzeichen für edle Freiluftfahrten vereint mit seinen Pferden „Fino“ (l.) und „Blacky (r.).
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Königspaare und Throngesellschaften bedanken sich beim sichtlich erfreuten Kutscher Karl, wie hier nach seiner letzten Fahrt beim Schützenfest 2026 in Varensell.
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Saftige Möhren als Dank auch für seine Pferde überreicht Brudermeister Hesse in Varensell.
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Abschiedsempfang in Rietberg 2026. Ausdruck von Dank und Anerkennung. Ehemalige Königspaare stehen Spalier für ihren Karl Ridder (Mitte). Flankiert vom scheidenden Schirrmeister Alfons Hökenschnieder (li.) und seinem Nachfolger Dieter Reinke.
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Die Zügel fest im Griff kutschiert Karl Ridder auch bei rasanten Paradefahrten seit vier Jahrzehnten Königspaare über Festplätze.
Fotos: RSA/Rehling
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