Westfälischer Humor mit Tiefsinn und Spontanität

Amüsanter Auftakt zu „Westfalen weltweit“ – Vielsagende Gäste und eine Einwechslung

Peter Prange

Rietberg (rdp). „Es gibt das Klischee, dass Ostwestfalen zum Lachen in den Keller gehen. Klar, aber dann gehen wir in den Partykeller“, kennt sich der gebürtige Rietberger Entertainer Martin Quilitz aus. Doch die Westfalen können noch mehr – nämlich Humor mit Tiefsinn, Aktualität und Spontanität. Den Beweis lieferte die Auftaktveranstaltung „Westfalen weltweit“ anlässlich des 1250-jährigen Bestehens der Region in der Basilika des Bibeldorfs.

Ein kurzweiliger Abend unter der Moderation von Martin Quilitz, der sich auf seine Gäste mit westfälischen Wurzeln verlassen konnte. Ob nun Lioba Albus oder der Erfolgsautor Peter Prange fesselten das Publikum mit ihren Geschichten aus dem Leben. Kurzweilig musste leider Jens-Heinrich Claassen wörtlich nehmen, da er seinen Auftritt aufgrund einer Fischplatte vom Vorabend nicht durchhalten konnte. Doch dafür gibt es ja Besucher, die dann einfach einspringen. Kabarettist Matthias Brodowy wollte als Zuhörer den Abend eigentlich nur genießen, setzte sich ans Klavier und hätte mit seinem Song „Irgendwas ist immer“ die Situation nicht besser beschreiben können. Plattdeutsch oder als Lieblingswitze-Verständiger an der Bar – wer es nicht wusste, hätte gar nicht gemerkt, dass Brodowy nur „eingewechselt“ wurde.

Die Geburtstagsfeier bei Gerburg Jahnke (70) am Vorabend hatte Kabarettistin Lioba Albus weitaus besser überstanden und präsentierte sich in bester Erzähllaune. Die gebürtige Attendornerin verriet, dass sie erst später, als sie die Schauspielschule in München besuchte, gemerkt habe, war ihr wirklich gefehlt habe. Sie zog es dann aber zurück nach Westfalen – genauer gesagt nach Dortmund. Über Kinder- und Jugendtheater machte sie sich einen Namen und entdeckte dann für sich Mia Mittelkötter. „Eine Figur, die sich selbst schnell erklärt“, so Lioba Albus, die aber den „Nagel auf den Kopf des Lebens“ damit trifft.

Mit ihren Romanen „Älter werde ich später“ oder „Betreutes Flirten für Spätberufene“ machte sie sich als Autorin einen Namen. Mit einer Leseprobe „Aus der Reihe tanzen ist auch eine Kunst“ erreichte sie das Publikum, das Selbsterfahrung signalisierte.

„Ideen für meine Romane fallen vom Himmel herab. Ist das eine Gnade oder eine Strafe“, gab Peter Prange Einblicke in seine Schreibtischtätigkeit, die er – von Quilitz als Typ mit Klaus-Kinski-Note und echtem Sauerländer – durchweg als harte Arbeit bezeichnete. „Herrliche Zeiten“ heißt sein neues Werk, dass die Geschichte von 1871 bis 1914 aufleben lässt. „In einem schon damals beispielhaft offenem Europa, mit einem Silicon-Valley ähnlichem zukunftsträchtigen Erfindergeist in Deutschland – bis der Schuss in Sarajevo alles zerstört“, möchte Peter Prange Sensibilität schaffen: „Aus der Geschichte lernen, Muster von damals für heute erkennen!“

Fotos: RSA/Pfaff