Bündnis ruft zur Darmkrebsvorsorge auf

Koloskopie künftig auch für Frauen ab 50 Jahren möglich

Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL. (Foto: KVWL)

Kreisgebiet. Frühes Erkennen rettet Leben: Anlässlich des Darmkrebs-Monats März appellieren der Berufsverband Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands (bng), die NRW-Landesvertretung des Verbands der Ersatzkassen (vdek), die AOK NordWest, die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) eindringlich an Versicherte, zur Vorsorge zu gehen. „Darmkrebs ist heilbar. Wird er in seiner Frühphase während einer Darmspiegelung erkannt, liegen die Heilungschancen bei nahezu 100 Prozent. Deshalb unsere gemeinsame Bitte: Nutzen Sie die Vorsorgeangebote!“ Zugleich weist das Gesundheitsbündnis auf eine anstehende Veränderung beim Darmkrebs-Screening-Programm hin.

 Die Gefahr, an Darmkrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Bei Männern liegt das Risiko höher als bei Frauen. Deshalb konnten Männer bereits ab 50 Jahren eine Darmspiegelung in Anspruch nehmen, welche  die gesetzliche Krankenversicherung zahlt. Für Frauen galt dies bislang erst ab 55 Jahren. Allerdings hat der Gemeinsame Bundesausschuss – kurz G-BA (oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen) – Anfang des Jahres eine Vereinheitlichung beschlossen. Künftig können auch Frauen ab 50 Jahren die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen.

Zudem hat der G-BA die Intervallvorgaben für die immunologischen Tests (iFOBT) auf nicht sichtbares Blut im Stuhl vereinheitlicht. Frauen und Männer, die im Früherkennungsprogramm keine Darmspiegelung wahrnehmen möchten, können ab 50 Jahren zukünftig alle zwei Jahre einen iFOB-Test machen. Die Änderung der entsprechenden Richtlinie tritt nach Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft, frühestens jedoch zum 1. April 2025. Ab diesem Zeitpunkt können Gastroenterologen ihren Patienten das entsprechende Vorsorge-Angebot machen.

Dr. Ulrich Tappe, niedergelassener Gastroenterologe und erster Vorsitzender des bng: „Das Thema Vorsorge muss noch stärker im Bewusstsein der Menschen verankert werden. Vielen ist nach wie vor nicht bewusst, wie immens wichtig die Vorsorge gerade beim Thema Darmkrebs ist – sie kann am Ende des Tages Leben retten. Der G-BA-Beschluss ist da nur folgerichtig. Die Angleichung bei den Frauen und die damit verbundene einheitliche Früherkennungsstrategie war längst überfällig!“

Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der KVWL: „Vorsorge schützt das eigene Leben und die eigene Gesundheit in hohem Maße. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung. Mehr als 50.000 Menschen erhalten jedes Jahr in Deutschland diese Diagnose. Früh erkannt ist Darmkrebs jedoch meist gut behandel- und heilbar. Die Inanspruchnahme der Koloskopie in Westfalen-Lippe steigt glücklicherweise wieder: Im Vergleich der Jahre 2022 und 2023 verzeichnen wir eine Zunahme von mehr als sieben Prozent. Den Rückgang während der Coronazeit haben wir anscheinend überwunden. Trotzdem dürfen wir bei unseren sämtlichen Vorsorge-Bemühungen nicht nachlassen, um das Thema immer wieder bewusst zu machen und schwere Krankheitsverläufe verhindern zu können.“

Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Leider sind zu viele Menschen immer noch Vorsorge-Muffel. Dabei könnten sie von einer frühzeitigen Erkennung des Krebses enorm profitieren. Denn wird ein Darmkrebs rechtzeitig erkannt, kann das Leben von vielen Erkrankten gerettet werden. Deshalb ist die regelmäßige Früherkennungs-Untersuchung eine Pflicht gegenüber dem eigenen Leben.“

Dirk Ruiss, Leiter der vdek-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen: „Vorsorge wirkt! Ein Termin zur Darmkrebs-Vorsorge schafft Sicherheit und erhöht bei einem positiven Befund die Chance auf Genesung beträchtlich. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko einer Darmkrebserkrankung, daher ist es sehr zu begrüßen, dass unabhängig vom Geschlecht eine Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung zukünftig ab 50 Jahren in Anspruch genommen werden kann. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten, damit eine Erkrankung möglichst früh entdeckt und behandelt werden kann.“

Tom Ackermann, Vorsitzender des Vorstandes der AOK NordWest, freut sich, dass die Inanspruchnahme der Krebs-Früherkennungsuntersuchungen in Westfalen-Lippe nach der Corona-Pandemie wieder angestiegen ist. Das gilt auch bei der Darmkrebsvorsorge. Im Vergleich zum Jahr 2019 war in 2023 bei der Teilnahme an Koloskopien zur Darmkrebsvorsorge ein Plus von 10,5 Prozent zu verzeichnen. „Die steigenden Zahlen sind erfreulich. Offenbar haben die vielen Hinweise etwas gebracht und die Menschen motiviert, die Chance der Krebsvorsorge wieder mehr zu nutzen. Doch trotz des positiven Trends gibt es bei sämtlichen Krebsvorsorgeuntersuchungen auch weiterhin noch erhebliches Steigerungspotenzial.“