Bokel (rdp). „Eine freundliche, ausgeglichene Hündin mit einer vertrauensvollen Bindung zu ihren Menschen“ – diese zusammenfassende Beurteilung von Richterin Birgit Muhr durfte sich die damals 15 Monate junge Flatcoated-Hündin Active Flat Abby from Golden Power of Lindelbach – kurz Abby – aus dem Wesenstest des Deutschen Retriever Clubs mit dem Prädikat „bestanden“ mit nach Hause nehmen. Damit war ein weiterer Schritt in der „persönlichen Schule des Lebens“ von Abby an der Seite von Besitzerin Johanna Niediek besiegelt. Charakterzüge, die in Folge in ihrem Einsatzbereich besonders gefordert sind. Denn Abby arbeitet als Therapiebegleithund.
Mit diesen Charakterzügen bringt Abby die besten Voraussetzungen mit, als Therapiehund im Schulbetrieb eingesetzt zu werden. Nach bestandenen Prüfungen konnte sich Johanna Niediek dann auch einen Wunschtraum erfüllen und ihren „Partner auf vier Pfoten“ bei ihrer Tätigkeit als Schulsozialarbeiterin in der Josef-Schule in Spexard mitnehmen.
Schon während des Studiums zur Erzieherin liebäugelte Johanna Niediek damit, einen Hund bei ihrer Arbeit einzusetzen. „Leika“ – ein Berner Sennenhund – zeigte bei einem Projekt im Kindergarten als junger Hund sehr gute Ansätze. Als sich beim kräftigen Sennenhund nach einem Jahr eine ED-Erkrankung (Ellbogen) herausstellte, wollte Johanna Niediek ihn nicht überfordern und verzichtete auf eine weitere Ausbildung.
Als die Bokelerin dann 2019 in Spexard als Schulsozialarbeiterin begann, wuchs der Wunsch nach dem Einsatz eines Hundes wieder. Die Wahl fiel auf die Rasse Flatcoated Retriever und einer Zucht in Schweinfurt. Aus der Paarung Hunterstar Amadeus X und Flatgold’s Highland Ghost Guiness ging aus der kleinen Welpenschar am 16. Februar 2020 auch Abby hervor. Die Elterntiere zeichnen sich als gute Arbeitshunde bei der Jagd aus. „Doch im Haus waren sie total entspannt und freundlich. Ein Power-Paket, mit dem man auch arbeiten kann, der aber ausgeglichen sein soll. Solch ein Hund passt gut zu uns“, entschied sich Familie Niediek für den Flat, der dann nach acht Wochen ins neue Heim nach Bokel einzog.
Der Junghund entwickelte sich prächtig. Mit Rally-Obedience und der Apportierarbeit (mit einem 500 g Dummy) schafft Johanna Niediek den Ausgleich für die junge, temperamentvolle Hündin, die im Haus dann ruhig, ausgeglichen und für die junge Familie passend ist. Weil Abby so gute Anlagen hat, wagten sich Niedieks 2024 an die erste Wurfplanung mit der Hündin. Neun gesunde Welpen (5 Rüden, 4 Weibchen) brachte die Flatdame zur Welt. „Vielleicht wiederholen wir nochmal einen Wurf, da ich gern selbst einen Welpen von Abby behalten möchte“, so Johanna Niediek, die im Vorfeld aber auch die Zuchtzulassung für Abby erreichen musste. Dazu gehörten neben den gesundheitlichen Voraussetzungen u. a. Begleithundeprüfung, Wesenstest und ein Formwert. Letzterer beschreibt den eleganten Hund bestens: „Gute Größe, femininer Kopf, gute Augenfarbe, vorzüglich getragener Behang, sehr ausdrucksvoll, vorzügliches Gebäude, korrekt in allen Details, bewegt sich sehr gut“ (Richterin Assenmacher-Feyel).
Umfassende Ausbildung für Besitzerin und Hündin
Gleichzeitig hatte für Abby die Ausbildung zum Therapiebegleithund Team (ESAAT zertifiziert) mit der Zustimmung der Schulleitung in Spexard begonnen. So sind nötige Qualifikationen neben der Berufserfahrung der Pädagogin und eigener Hundeerfahrung, dass der Hund Grundgehorsam hat und das Mensch-Hund-Team eine Weiterbildung über mehrere Monate absolviert hat. Der Hund muss als Familienmitglied art- und tierschutzgerecht im Haushalt leben. Zu den Seminaren von Johanna Niediek gehörten u. a. „Ethische Aspekte der Mensch-Hund-Beziehung“, Lern- und Ausdrucksverhalten des Hundes, hundegestützte Pädagogik in der Schule und „Achtsamkeit und Stressbewältigung im Mensch-Hund-Team“.
„Für Abby als Schulhund bedeutet die Anwesenheit mehr als Hinlegen und Streicheln lassen“, erklärt Johanna Niediek. Allein, dass ein Hund bei Kinder- und Eltern-Gesprächen mit im Raum sei, sei schon eine erste Form der Therapie. Aber auch von der Arbeit mit dem Hund etwas zu zeigen, gehöre dazu. Das können Tricks oder ein Würfel-Spiel sein. Bei der Dummy-Arbeit oder einer Suche im Klassenraum können Kinder einbezogen werden. Das geschieht in Kleingruppen oder auch in Einzelstunden.
Aber es gibt auch klare Regeln, die Abby am Halsband sichtbar verankert: „Im Einsatz“ oder „Pause“. Dann gelten auch für die Kinder Spielregeln, dem Hund einen Freiraum – bzw. Ruhezeit – zu lassen. Zu den Verhaltensregeln gehören nette Aufforderungen wie: Bitte renne nicht von mir weg oder hinter mir her. Lass mich auf einem Ruheplatz ungestört. Ich möchte nur von einem Kind gestreichelt werden. Nimm mir bitte nichts weg. Außerdem freut sich nicht nur Abby über jedes freundliche Wort und dankt es mit Ruhe und einem freundlichen Rute wedeln.