Rietberg (dg). Gekannt haben ihn zu Lebzeiten viele Rietberger. Den freundlichen, bescheidenen Josef Küper, im Hause der Gärtnerei Goeke am Bolzenmarkt. Dort lebte er mit Ehefrau Frieda bei seinem Cousin Alfons, seit 1947. Sein facettenreiches Leben kannten nur wenige, wie umfangreich er schriftstellerisch tätig war ebenso.
Das änderte sich 2017, als die Literaturkommission für Westfalen mit der Bitte auf Rietbergs Stadtarchivar Manfred Beine zukam, Küpers Roman „Vormarsch 1914“ aus dem Nachlass herauszugeben und mit einem Nachwort zu versehen. 2018, am 12. Oktober, konnte das Buch, entstanden durch die Zusammenarbeit von Stadt und Heimatverein Rietberg, im Rahmen einer öffentlichen Lesung vorgestellt werden.
Dadurch erhielt Küpers Leben als Schriftsteller eine völlig neue Betrachtung und Bewertung. Damit befasste sich in den letzten Monaten auch Prof. Dr. Dirk Rübbelke. In seiner Heimatstadt seit Anfang 2026 als Stadtführer aktiv. Mit einer literarischen Reise durch den historischen Stadtkern unter dem Titel „Das Leben ist Traum“, freut er sich über wachsendes Interesse an seinen Führungen. Orte des Wirkens durch eine Gedenktafel zu erinnern, hält Prof. Dr. Rübbelke auch für das Image der Stadt langfristig für sinnvoll. Mit starker Unterstützung des Rietberger Heimatvereins fand jetzt die erste Plakette in Erinnerung an Josef Küper ihren Platz am Bolzenmarkt Nr. 12. Am Mittwoch, dem 30. September begann der Abend um 18 Uhr im Ratssaal in Anwesenheit von rund 60 Gästen. Darunter eine Enkelin, die sogar aus Kanada angereist war. Nach kurzer Einführung von Prof. Dr. Rübbelke, richteten Bürgermeister Sunder und Günter Höppner Grußworte an die Versammlung. Rietbergs ehemaliger Stadtarchivar, Manfred Beine, blickte dann mit seinem exzellenten Vortrag auf Leben und Werke von Schriftsteller Josef Küper (1891-1972). Familienverhältnisse der Eltern und Kindheit des jungen Josef. Jener, der nach der Volksschule wie sein Vater zur Fabrik ging. Literarisch gilt er als Naturtalent und Autodidakt. Er fand nach und nach Anerkennung und konnte mit seinem Roman „Das Dukatenmännchen“ 1941 sein erstes Buch, mit einer Auflage von 48.000, auf den Markt bringen. Von seinem Verleger erhielt er 1959 den Auftrag zur Heinrich-Lübke-Biografie, der am 1. Juli zum neuen Bundespräsidenten gewählt wurde. Warum das zum Skandal wurde, die gesamte Auflage aufgekauft wurde und bis 1996 in einem Keller verschwand, berichtet Beine in seiner präzisen, spannenden Vortragsart. Er weiß von der engen Verbindung zwischen Josef Küper und Rietbergs Kulturpapst und Buchhändler Wilhelm Pappert, der ein „Fan“ von ihm war. Die Frage ob Küper ein bedeutender Schriftsteller gewesen ist, beantwortet Beine mit Ja, durch seinen Roman „Vormarsch 1914“ unbedingt und er hat die Auszeichnung mehr als verdient. Weiter setzt er Küpers Kriegsbuch in Vergleich zu den großen Namen der Literatur. Auch haben bedeutende, namhafte deutsche Verlage die Qualität des Buches ausnahmslos anerkannt, doch sie wollten nach 1945 kein Kriegsbuch mehr, erläutert Manfred Beine. Josef Küpers Lebensweg als Schriftsteller, Autodidakt und bescheidener Mensch, skizzierte Manfred Beine mit der gebotenen literarischen Urteilsfähigkeit und beeindruckender rhetorischer Qualität.
Langanhaltender Applaus der Gäste galt ihm als anerkennender Dank. Am Bolzenmarkt Nr. 12, dem früheren Wohnhaus von Josef Küper, sammelte sich die Gesellschaft, um den Montageakt der Gedenkplakette zu erleben. Im Heimathaus endete der eindrucksvolle Abend bei unterhaltsamen Gesprächen, erfrischenden Getränken sowie leckeren Canapés.
Fotos: RSA/Rehling




