„Fußball im Nationalsozialismus“ hinterlässt Spuren

Schüler der Jahrgangsstufe 7 „Hauptfach Sport“ in Theorie und Praxis – Beeindruckende Ausstellung

Ausstellung 'Fußball im Nationalsozialismus' in der Gesamtschule 'Hauptfach Sport'. Foto: RSA/Pfaff)

Die vier Mädchen der Jahrgangsstufe 7 im „Hauptfach Sport“ interessierten sich besonders für den Frauenfußball in der NS-Zeit. (Foto: RSA/Pfaff)

 

 

Rietberg (rdp). Sportlich gesehen: Auf jedem Fall auf dem Treppchen platziert. Aus Sicht der Aktiven: Spannung, Abwechslung und Teamgeist. Fazit der Trainer: Saisonziel erreicht. Überaus positiv fällt die Resonanz auf das erste Jahr „Sport als 4. Hauptfach“ an der Richard-von-Weizäcker-Gesamtschule aus. Das Modellprojekt ab der Jahrgangsstufe 7 ist angekommen, hat sich in Theorie und Praxis bewiesen. Zum Schulabschluss brachte die Ausstellung „Fußball im Nationalsozialismus“ die Lernziele nochmals auf den Punkt: Sport ist Bewegung, aber auch mehr als Bewegung.

18 Banner als Leihgabe der Projektidee des Kreismuseums Wewelsburg in Verbindung mit dem Fanprojekt Paderborn stehen im Mittelpunkt der Unterrichtsstunde im Fach „Sport“. Es geht um Geschichte, die unterschiedliche Fußballvereine in der deutschen Vergangenheit von 1933 bis 1945 betroffen hat.

Vereine wie Schalke 04, Borussia Dortmund, Bayern München oder aus der Nachbarschaft wie SC Paderborn und Arminia Bielefeld gehören dazu, sind für die Schüler ein Begriff oder sogar Fankultur. Überraschende Fakten hinterlassen offene Fragen, machen bestürzt und geben auch Raum, um mit Aufmerksamkeit auf zeitaktuelle Geschehnisse zu blicken. Fußball ist in den 1920er Jahren in Deutschland ein Zuschauermagnet, viele Vereine und Verbände leiden dann jedoch unter der Macht­übernahme der Nationalsozialisten. Clubs, Spieler und Fans werden plötzlich ausgeschlossen und mussten sich der Ideologie der „Nazis“ unterordnen.

Jan Martin und Daniel Jürgens, Lehrer für das Hauptfach „Sport“, übermitteln den Mädchen und Jungen der Jahrgangsstufe mit einem Film viel Hintergrundwissen. Eine bewegte Runde beginnt schließlich mit Fragen „Wie gehen Vereine heute damit um?“, „Wie arbeiten Vereine die Zeit auf?“ und „Was fällt euch zum Nationalsozialismus ein?“ Ein trockenes Thema für den Sportunterricht? Keineswegs sind sich die Schülerinnen und Schüler einig, denn auch sie wollen in Freiheit leben und selbst entscheiden können.

Verfolgung wegen politischer Gesinnung, Glauben oder sexueller Orientierung dürfe es nicht geben, lautet die Erkenntnis aus der Geschichte: Wer sich nicht an die Gesinnung gehalten hat, hatte keine Chance. „Wenn ihr auf Dauer selbst entscheiden wollt, dann müsst ihr wählen gehen. Das ist ein ganz kostbares Gut“, betont Jan Martin.

Zwischen Gleichgültigkeit und Widerstand bewegen sich die Clubs in der damaligen Zeit. Am 9. April 1933 unterzeichnen beispielsweise 14 Fußballvereine die ‚Stuttgarter Erklärung‘, in der sie ihre Absicht bekunden, jüdische Mitglieder aus ihren Vereinen auszuschließen. Gleichzeitig wird Fußball instrumentalisiert und zu Propagandazwecken genutzt.

Auch bekannte Spieler halten sich zurück, sind „einfach nur glücklich, spielen zu dürfen“ (Zitat). Die Schülergruppe ist berührt von diesen Erläuterungen. Sie öffnen sich auch der Frage, was wäre, wenn es heute wieder so etwas gäbe? Dürften Schüler aufgrund ihrer Herkunft dann weder ihren Sport betreiben noch Fan sein? Enttäuschte Gesichter geben die Antwort. „Wir lernen hier, wie schwer es Menschen hatten – vor allem die Juden.“ Man dürfe die Geschichte nicht vergessen, sonst komme es wieder, resümieren die Siebtklässler.

„Wir haben das Thema schon im Deutschunterricht besprochen“, erzählen Evelin (Hobby: Turnen) und Giorgia (Hobby: Tanzen), die das Banner „Frauenfußball“ besonders ausgewertet haben und die Schwierigkeiten zwischen 1933 und ’45 benennen. Sie nehmen alle viele Gedanken mit.

Zurück zum Hauptfach Sport: In diesem Schuljahr waren die Mädchen nur zu viert. Bei ihnen ist die Mischung aus Theorie und Praxis sehr gut angekommen. Fitness, Gesundheitssport oder auch aktiver und passiver Bewegungsapparat gehörte sonst nicht zum „normalen“ Sportunterricht.

Die Themen haben sie angesprochen. „Im neuen Schuljahr sind in der 7 dann deutlich mehr Mädchen“, freut sich Daniel Jürgens: „Die Leute sind hier, weil sie Spaß am Sport haben.“ Und Theorie weckt das Interesse, ohne die Praxis zu vergessen.

„Ich finde den Sportunterricht sehr gut“, sagt Shadi, und erinnert auch an Events wie den Besuch des BVB-Stadions mit dem Blick hinter die Kulissen. Und das als bekennender Bayern-Fan.